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Freitag, 11. September 2015

Romano im Interview: Ein Gespräch über Köpenick, Metal und Haarpflege


Heute erscheint das Debütalbum des zurzeit wohl spannendsten deutschen Newcomers. Die Rede ist vom Köpenicker-Homeboy Romano. Mit seinem Song Metallkutte hat er über Nacht einen Hit veröffentlicht und rockt seitdem ein Festival nach dem anderen. Schon längst ist der zopftragende Rapper in aller Munde. Wir hatten das Vergnügen Romano auf dem MS Dockville 2015 etwas auf den Zahn zu fühlen und durften ihn sogar vor seinem geliebten BMW fotografieren, der schon in Brenn die Bank ab zu sehen war. Da Romanos Antworten schon Bände sprechen, haben wir uns dieses Mal entschieden, dass Interview in seiner Gänze abzutippen. Allerdings mussten wir hier und da trotzdem etwas kürzen, da es sonst den Rahmen gesprengt hätte. Das komplette Interview könnt ihr euch allerdings im O-Ton bei Soundcloud anhören. Viel Spaß!


Ich: Nur noch weniger als einen Monat bis dein Debütalbum Jenseits von Köpenick im Handel erscheint, wie fühlst du dich jetzt? Wird die Anspannung größer, je näher der Release rückt oder fühlst du dich befreiter?

Romano: Die erste große Befreiung war die Fertigstellung des Albums. Es ist eine wunderschöne Sache, wenn man die Möglichkeit hat ein Album zu machen. Das Album ist wie ein Baby und die Fertigstellung wie eine Geburt. Auf der anderen Seite aber merkt man die letzten zwei Wochen vor Fertigstellung den Druck. Das war ein Punkt, wo man die letzten zwei, drei Tage scheiße geschlafen hat. Jetzt freue ich mich nur noch total auf den Release und vor allem darauf, dass Fans meine Songs mitsingen können. Ich finde es schon wunderbar, wenn Leute auf meinen Konzerten Brenn die Bank ab und Metallkutte mitsingen und kann es kaum erwarten, wenn sie dann vielleicht auch Romano und Julia, Sextrain und Straße mitsingen können.

I: Wie schreibst du deine Musik? Kommt erst der Beat und Hintergrundmusik und dann die Texte. Oder ist zunächst die Idee für den Text da und dann alles Drumherum?

R: Es gibt verschiedene Herangehensweisen. Entweder man hat eine Idee, die kann auch im Suff oder im Schlaf passieren. Sowas gibt es natürlich, dann schreibt man die Idee auf und arbeitet dran. Vielleicht schreibt man dann auch einfach ein Gedicht.
Die andere Variante ist: Der Siriusmo oder auch der Jakob komponiert etwas und dann entsteht
gemeinschaftlich eine Idee. Dann hört man den Beat und denkt: „Ist doch klar, dass geht um Köpenick oder um Rauchen“. Das passiert dann einfach. Mit Freunden hatte ich früher auch die Diskussion: ist die eine oder andere Methode die richtige. Es gibt darauf kein Patentrezept. Alles was passiert, alles was sich ergibt, ist das Richtige. Man sollte ohne Druck arbeiten.

I: Dein Track Metallkutte ist komplett durch die Decke gegangen. Wie war das Gefühl zu wissen, dass der eigene Track so ein Hit geworden ist?

R: Ich kann dir das an einem Beispiel erklären. Wenn man einen Track schreibt, macht man das zunächst einmal ja für sich selber. Ich hatte im CD-Player gerade ein Album von Satyricon (Eine Black-Metal Band) und hatte auf‘m Rechner gerade einen Hip-Hop Beat laufen. Dann war der Gedanke geboren. Ich liebe die Bands, Ich liebe Hip-Hop, Ich liebe Metal, ich verbinde das einfach mal. Der Track ist dann in zwei Tagen entstanden. Als der Track fertig war, habe ich gehofft, dass der Song vielleicht irgendwann mal, nach einem halben Jahr oder so, im Metal Hammer vorgestellt wird.
Der Track war schon nach vier Tagen im Metal Hammer und damit ist bei mir schon ein Traum wahr geworden. Ich habe mich wie ein Kind gefreut.

I: Hast du es schon einmal erlebt, dass sich Metal-Fans von deinem Track angegriffen gefühlt haben, so wie es in deinem Interview mit Metal Hammer zur Sprache kam?

R: Ich sag es mal so: Ich hätte den Track niemals als Verarsche geschrieben. Das wäre für mich reine Zeitverschwendung. Bei mir geht es darum, Menschen zu integrieren und etwas gemeinsam zu feiern. Das ist der Gedanke, den ich mit Romano verfolge. Natürlich war mir klar, dass der Song auch zu Irritationen im Geiste und auch auf der Haut, also Hautirritationen, führen wird. Grundlegend war es aber überhaupt nicht mein Anliegen, jemanden zu verletzen. Aber solche Leute gibt es immer und da kannst du auch nichts machen. Den kannst du nicht mehr helfen.



I: Romano ist dein neustes Projekt, aber du bist ja eigentlich schon ziemlich lange dabei, wenn es um Musik geht. Gib uns doch mal einen kleinen Einblick in deinen musikalischen Schaffensweg.

R: Also es gibt da zum einen die Hightekcrew, mit der ich Drum ‚n‘ base gemacht habe. MC Ramon hat mich auch lange Zeit begleitet, mit dem habe ich ursprünglich angefangen, Hip-Hop-Sachen zu schreiben, dann aber auch im Rock- und Drum’n’base-Bereich den Namen genommen, weil er einfach so schön griffig ist. Dann gab es noch verschiedene Projekte. Ich hieß mal Dayton, dann mal Left Coast. Cornerboy entstand durch das Video, welches der wunderbare Jakob gedreht hat. Dieser Name passt einfach so gut, weil ich in Köpenick einfach an jeder Ecke bekannt bin und abhänge.

I: Und wie hat das alles angefangen? Was war der Moment, in dem du gedacht hast, Musik, das ist was ich machen will?

R: Ich fand es schon immer schön zu performen. Zum Beispiel habe ich schon Mitte der 80er in der dritten, vierten Klasse, I want your sex von George Michael vor der Klasse performt. So richtig hat das allerdings erst durch die Rockband angefangen. Vorher hatte ich auch schon Texte geschrieben, aber erst durch die Rockband wurde mir bewusst, ich möchte vor Leuten stehen und performen. Die Band hieß Maladment. Mit der habe ich 1996 angefangen zu arbeiten und bis 2001 mit denen zusammen gearbeitet. Seit Mitte der 90er mache ich also jetzt schon professionell Musik. Das sind
jetzt schon fast 20 Jahre.

I: Wenn du uns jetzt mit nach Köpenick nehmen könntest, was würdest du uns zeigen?

R: Also wir würden beim Bahnhof Köpenick anfangen, würden dann zu Magitta gehen, zum Imbiss. Dort würden wir dann einen kleinen Sekt trinken oder einen Pfeffi und dazu Currywurst-Pommes essen. Dann würden wir am Center vorbeilaufen und würden in die Altstadt von Köpenick gehen. Danach zum Schloss Köpenick und ein bisschen auf Natur machen. Dann weiter nach Friedrichshagen und eine kleine Dampferfahrt unternehmen. Dann würde ich euch ein Paar Rentner vorstellen, mit denen ich oft chille. Das ganze wäre dann eine Art „Naherholungstag“. Ihr fahrt danach wieder nach Hause und fühlt euch, als wäret ihr in St. Tropez oder in Bad Tölz gewesen.

I: Gibt es auch eine Möglichkeit, wie du dir Köpenick mit auf Tour nimmst? Was tust du, wenn du dein Köpenick vermisst?

R: Ich trage Köpenick in mir, indem ich dann vielleicht einen Freund oder meine Eltern in Köpenick anrufe und erkunde mich darüber, was in Köpenick so läuft. So stelle ich einen Bezug zur Heimat her.

I: Wie kamst du als Romano darauf, dir diesen bestimmten Look zuzulegen?

R: Der Mix aus Metal- und Hip-Hop-Klamotten kam durch die Musikprägungsphase. Man muss ich das so vorstellen: Jede Musikrichtung ist ein Schiff und all diese Schiffe haben mit Romano jetzt einen Hafen gefunden.
Das Haareflechten kommt ursprünglich daher, dass ich Anfang der 90er, Snoop Dogs Style ultra spannend und geil fand. Überhaupt den ganzen Westküsten-Style zu dieser Zeit fand ich einfach cool. Dann sind da noch Einflüsse aus der Welt der Wikinger, auch Pipi Langstrumpf hat mich geprägt und auch der Style der Indianer. Grundsätzlich geht es darum, sich von der Gesellschaft abzuspalten und sich rauszuziehen. Auch der restliche Style passt einfach zu Romano. Ich trage einfach gerne Jogginghosen und High Tops.   
Jogginghosen sind nun mal auch einfach praktisch. Die kannst du einfach super schnell überziehen. Den Bomberjackenschnitt mochte ich auch schon immer. Und vor allem die NFL-Starter-Jacken liebe ich schon seit meiner Jugend. Von meinem ersten Azubigeld habe ich mir alle Jacken gekauft, die ich geil fand und habe die auch immer noch zuhause hängen. Einen Teil dieser Sammlung haben wir auch schon bei Klaps auf den Po vorgestellt.



I: Das heißt, wenn ich dich jetzt zuhause besuchen würde, würde ich von Jacken erschlagen werden?

R: Jacken, Perücken, Mützen, Helme. Ich liebe Sammeln.

I: Pflegst du deine Haare besonders, damit die auch so schön lang und vital bleiben?

R: Ich kann nur jedem empfehlen: „Jungs, pflegt eure Haare“. Es gibt schon im günstigen Preissegment gute Shampoos, zum Beispiel Guhl. Es gibt auch noch Sebastian, das aber schon etwas teurer ist. Aber dann hast du wirklich etwas von deinen Haaren. Und ganz wichtig liebe Jungs! Alle halbe Jahre spitzen Schneiden. Dann hamm wirs.

I: Eine letzte Frage noch. Wenn man deinen Namen googled, wird als erstes die Website des Romano Pferdehofs angezeigt. Ärgert dich das?

R: Der Punkt ist: Ich habe ein Herz für Tiere und für Pferde. Die haben den verdienten ersten Platz.

I: Das wars. Vielen Dank.


R: Ich danke auch. Grüße nach Hamburg!

Dienstag, 9. Juni 2015

Helgen ... Im Interview


Wie die meisten von euch jetzt schon wissen werden, war ich am Wochenende auf dem lunatic Festival 2015 unterwegs. Meine Eindrücke zu Tag 1 und Tag 2 habe ich euch schon niedergeschrieben. Doch ich stand nicht nur vor den Bühnen und habe mich von der Musik berauschen lassen, sondern durfte mich sogar mit einer ganz wunderbaren Band persönlich unterhalten und ihnen ein bisschen auf den Zahn fühlen. Nämlich mit Helgen. Die drei Jungs aus Hamburg sind ja schon seit einiger Zeit die Lieblinge auf unserem Blog und beliefern uns mit ihrem intelligenten Deutschpop/-rock schon seit Wochen  mit immer wiederkehrenden Ohrwürmern. Wo ihr die sympathischen Herren in der nächsten Zeit noch sehen werdet und wann wir auf ihr Debütalbum hoffen können, erfahrt in nun in meinen Interviewbericht.
Helgen: das sind Helge Schulz (Gitarre und Gesang) Niklas Beck (Bass) und Timon Schempp (Schlagzeug). Die drei Jungs haben sich in Hannover kennengelernt, wo sie an derselben Universität studiert haben. Nachdem man schon einige Zeit lang zusammen Musik gemacht hat, wurde 2014 offiziell die Band Helgen geboren, als Helge ein paar selbstgeschriebene Songs mit in den Proberaum gebracht hat. Doch die Jungs waren  vor Helgen keineswegs musikalische Neulinge. Frontman Helge spielt neben Helgen noch bei der Band Game Ove & Die Spielfiguren Gitarre, Schlagzeuger Timon ist noch mit The Girl & The Ghost unterwegs und auch Gitarrist Niklas ist unter anderem bei der Band Klangheimlich dabei. Alle drei Bandmitglieder scheinen also einen ziemlich großen kreativen Output zu besitzen, der sich mit einer einzigen Band nicht fangen lässt. Doch nicht nur musikalisch hat man mit Game Ove & Die Spielfiguren viel am Hut, auch privat ist man auf einer Wellenlänge. So ist es kein Wunder, dass man immer wieder zusammen auf Tour ist und zusammen Konzerte spielt. Auch zu der Band Torpus & The Art Director verbindet man eine tiefe Freundschaft.
Neben den Einflüssen, die Helge, Niklas und Timon aus ihren anderen Projekten mitbringen, fühlen sich Helgen vor allem von amerikanischen Alternative-Musikern wie Wilco oder M.Ward inspiriert. Aber auch Bands wie The Who und die Beatles sind für Helgen große Vorbilder. Während sich soundtechnische Vorbilder noch relativ schnell finden lassen, wird es textlich gesehen schon schwieriger.  Helge meint dazu:
„Viele meinen immer Hamburger Schule. Doch ich selber habe mich nie richtig mit der Hamburger Schule beschäftigt. Ich glaube, die Leute kommen immer schnell dazu einen mit der Hamburger Schule zu vergleichen, wenn man auf Deutsch singt und Wörter verwendet die nicht gerade in einem Helene Fischer-Song vorkommen würden.“

Grundsätzlich geht es bei Helgen darum einen „handgemachten Sound“ zu kreieren der echt klingt
und nicht mit zu viel Klimbim die wesentliche Aussage der Lieder verzerrt.  Dies schaffen die drei Musiker bravurös. Gerade die heutzutage minimalistische Besetzung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug führt dazu, dass das Augenmerk noch mehr auf den Inhalt des Textes gelegt wird und die melancholisch, persönliche Stimmung perfekt umgesetzt wird. Helges fast schon sprechähnlicher Gesang rundet den Sound dann perfekt ab.
Kommen wir nun zur wohl wichtigsten Frage des Interviews, wann können wir endlich Helgens Debütalbum in den Händen halten?
„Wir fangen diesen Monat an das Album aufzunehmen und planen es Frühjahr nächsten Jahres zu veröffentlichen. Wir wollen uns dabei allerdings ein bisschen Zeit lassen, da wir eine junge Band sind und noch viel rumreisen können. Die Leute sollen uns erst einmal richtig kennenlernen.“
Dies ist zwar noch etwas hin, wir sind uns aber sicher, dass uns Helgen bis dahin noch mit einigen neuen Songs beglücken werden. Bis dahin solltet ihr die Jungs auch unbedingt einmal Live gesehen haben. Etwas kantiger und mit ordentlich mehr Rock entfalten die Songs live noch einmal einen ganz anderen Sound. Die Gelegenheit dazu habt ihr in der nächsten Zeit übrigens häufiger.
 Zum Beispiel:
27.06. — Hamburg, Altonale Pop Nacht
31.07. — Hamburg, Knust Geburtstag
05.08. — Hamburg, Knust Acoustics
08.08. — Süderstapel, Rock an der Eider
11.10. — Küchensession Festival

Wer Helgen jetzt nicht sympathisch findet, der hat ein Herz aus Stein. Wir freuen uns schon darauf neues von den Musikern zu hören und wünschen ihnen viel Erfolg bei ihrem weiteren Weg!


Dienstag, 5. Mai 2015

The Districts - Vom Burito Shop auf die großen Bühnen

Wer in den letzten Monaten die Ohren ein wenig in Richtung Lo-Fi Indie-Rock gespitzt hat, an dem ist das zweite Album von The Districts ganz sicher nicht vorbei gegangen. Mit A Flourish and a Spoil (Unsere Rezension) ist der Band, die Philladelphia inzwischen als ihre Heimat attestieren, ein überzeugendes Werk gelungen, das sich verdient in die bisherige Diskografie der jungen Band einreihen darf. Mitte April haben The Districts zusammen mit den Dänen von Yung als Vorband eine Show im hamburger Übel & Gefährlich abgeliefert, die sich gewaschen hat. Wir hatten das Glück uns vorher ein wenig mit den Jungs unterhalten zu dürfen.


Angefangen hat das ganze für Rob, Connor, Braden und Mark, wie für so viele Schüler in Amerikanischen Kleinstädte, als Schulbandformation. Lititz in Pennsylvania, mit seinen gerade mal 9000 Bewohnern, bot viel Natur und neben Kiffen, Trinken und Musikmachen wenig Abwechslung und prägte die Denkweise der Jugendlichen. Bandnamen aus der alten Zeit fallen, "Slow Loris ist durch, aber Snails sind noch dabei  -  Nicht zu vergessen Every Good Reason und Save the Zombies" und man kann sich ein bisschen besser in die Welt hineinversetzen, die da zwischen Langeweile, coming-of-age Dramen und der Hoffnung irgendwann mal raus zu kommen existiert hat. So lange ist es dann alles auch noch gar nicht her, schließlich sind alle Bandmitglieder gerade einmal Anfang 20, aber die junge Band wollten sie nie sein. Die ersten Konzerte wurden neben der Schulbühne vor Allem im Burrito Laden der Wahl gegeben. Auch gestern gab es wieder Burrito, erzählt Rob, in Hamburg waren sie noch auf der Suche.

Aus der Kleinstadt schaffte die Band den Sprung nach Philladelphia, vorerst um zu studieren. Daraus wurde allerdings nichts, die Musik rückte weiter in den Vordergrund und mit ihrem neuen Gitarristen Pat, spielte sich The Districts durch die Musikszene von Philly. "Die Leute in Philly sind entspannt, im Gegensatz zu zum Beispiel New York kommen hier weniger Musiker mit dem Gedanken ganz groß rauszukommen her. Dadurch ist es nicht ganz so wettbewerbsfixiert und man unterstützt sich gegenseitig", so Rob. Das ihnen auch dieses Klima gut getan hat, merkt man nicht nur daran, dass sie inzwischen bei Fat Possum gesignt sind, sondern auch an der filigranen und doch rauhen Ausarbeitung von A Flourish and a Spoil. Akzentuiert wird die Jugend in der Kleinstadt, neben den ganz normalen Hürden des Erwachsenwerdens aufgearbeitet.

Dass das Album aber nun so klingt, wie es eben kling, liegt neben dem Talent der Musiker vor allem an dem Gespür für unverbrauchten Klang von John Congleton, der maßgeblich an der erdrückend direkten Soundscape des Cloud Nothings Albums I'm Not Part of Me war. Auch den Mitgliedern von The Districts hat das Arbeiten mit Congleton Spaß gebracht. "Ein super Typ mit großartigen Ideen. Jeder hat ein bisschen Rücksicht auf die Vorstellungen genommen und dann hat alles gut geklappt." Mad Respect also.

Mitte April hat die Europatour der Vier angefangen, doch im Sommer geht es dann noch einmal auf ein paar der hiesigen Festivals, unter anderem das Melt! Festival. "Am liebsten sind uns eigentlich die kleinen Festivals. Loolapalooza ist auch super, aber die Vibes sind auf den etwas kleineren Festivals einfach schöner."
Ob nun großes oder kleines Festival, die Präsens, die The Districts auf der Bühne ausstrahlen gleicht auch die fehlenden Vibes sicher wieder aus. In einem wilden Hin- und Herpringen, verliert sich Sänger Rob auf der Bühne und findet sich nur Sekunden später ekstatisch in seinen Songhöhepunkten um im Nebel wieder abzutauchen. Eine von Vorne bis Hinten gelungene Performance wird hier an das Publikum getragen. Als scheinbare Antithese zur vorher im Gespräch gezeigten Gelassenheit wird hier so richtig einer von der Leine gelassen, doch nichts wirkt überstürzt und wenn auch nicht geplant, dann doch eine Unaufgeregtheit ausstrahlend, die den Zuschauer und Zuhörer voll in ihren Bann zieht.

Dienstag, 11. November 2014

Buttering Trio - Jam

Es ist Samstag Nachmittag und der letzte Tag des Reeperbahn Festivals. Auf einer der künstlerisch angehauchten Metallbänke vor dem Onyx Hotel sitzen die drei von Buttering Trio umringt von ihren Instrumenten. Wir werden mit einem freundlichen Lächeln und einem Stück getrockneten Ingwer begrüßt.
Während wir Zeuge einer Show werden, die für einen Auftritt in einer Hotellobby ungewöhnlich viel tanzbare Energie versprüht, wird uns klar, dass wir wahrscheinlich ordentlich was Verpasst haben, als wir es nicht zum Auftritt am Vorabend geschafft haben. Die Songs der Show entstammen der 2014 in Deutschland erschienenen Platte Toast des Trios.


Obwohl in Tel Aviv aufgewachsen, fand die Band in der aktuellen Form in Berlin zusammen und verbrachte dort so manche schlaflose  Nacht im Proberaum. Das sei auch wichtig, sagt die Band. Ideen finden sie durchs drauf los spielen, Probieren und Jammen. Hierbei sei es erstmal egal ob alleine oder im Team. Beides gibt den Multi-Band-Musikern Inspiration auf ein ganz eigene Art. Die Musikszene in Tel Aviv ist klein und so spielen alle drei neben dem Buttering Trio noch in anderen Bands und haben ihre jeweiligen Soloprojekte. Echte Vollblutmusiker eben. Und genau daher hat die Gruppe solch einen kontinuierlichen Drang nach vorne, der sich aktuell in ihr neustes Album Jam entlädt, das hierzulande am Freitag über das Label Raw Tapes erscheint.


Während der Experimentalismus auf dem Debüt noch an jeder Ecke, in jeder Note spürbar war und sich das Werk somit selbst etwas in einen Randbereich der Hörerschaft gedrängt hat, scheint es den Talenten aus Tel Aviv dieses Mal gelungen zu sein, eine Mischung zu finden, die sich auch abseits der etwas skurielen Nische des ersten Albums etablieren kann. Stringent und entspannten, mit hörbar viel Liebe zum Detail gebastelten Trip-Hop- Beats folgend, hangeln sich auch dieses Mal Klänge aus der Heimat des Trios zwischen westlich geprägte Drumpatterns entlang. Unüberhörbar bleiben jedoch und zum Glück, die Einflüsse des Nu-Jazz und des instrumentalen Hip-Hops. Neben den sanft einsetzenden Saxofonläufen gewinnen die Sonsgs nicht nur durch den träumerischen Gesang von Karen Dun, sondern vor Allem durch die vielschichtigen Synthesizerstrukturen, die auf Jam deutlicher ins Gewicht fallen, als noch auf Toast.
Das Album wirkt als Gesamtkonzept schlüssig und hinterlässt einen mit dem Gefühl aus einem unwirklichen Traum zu erwachen.

Die drei Vollzeitkreativen haben verraten, dass schon an neuen Klangkreationen gearbeitet wird, damit die Medienmaschinerie bloß nicht ins stocken gerät. Ab Freitag könnt ihr aber erst einmal mit Jam vorlieb nehmen und auf den nächsten Brotaufstrich warten.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Tristesse und Schwäbische Kleinbürgerlichkeit - Im Interview mit Karies

Tristesse irgendwo zwischen Stuttgart und Ulm, genauer Kreis Göppingen und jetzt hier. Ich sitze neben Käsebrötchen und Chips mit den vier Jungs von Karies im Golem, Hamburg. Der Raum ist eng und von draußen drängen sich psychedelische Gitarrenklänge durch die Tür. Die Band sitzt mir und einer auf sie gerichteten Schreibtischlampe verhörähnlich gegenüber.
Mit kaltem Bier in der wärmenden Hand taut alles recht schnell auf, was aber auch daran liegt, dass es sich bei der Gruppe um Grundsympathen handelt.


Karies ist eine der aktuell aufstrebenden Bands aus der Stuttgarter Szene, die sich dem Post-Punk und Noise verschrieben hat. Überschneidungen mit anderen Bands aus der Gegend gibt es nicht nur was den Sound angeht, sondern auch personell. So gibt Kevin nicht nur bei Karies am Schlagzeug das Tempo an, sondern drängt auch bei Die Nerven erbamungslos nach vorne. Auch Bassist Benni ist noch in weiteren Bands vertreten. Unter Anderem sorgt er in der Live Band von Peter Muffin, dem Solo-Projekt von Nerven Basser Julian, für die nötigen Tiefen.
Angefangen hat das Ganze schon vor etwa sieben Jahren in einem Proberaum im schon erwähnten Göppingen. Musikalisch hatte das ca. 50km entfernte Stuttgart schon damals eine starke Anziehungskraft. Besonders wichtig waren und sind das KOMMA in Esslingen und das FFUS. Viele Konzerte, nicht mal nur Gitarrenmucke, hauptsache "gegen Hörgewohnheiten verstoßen". Inzwischen ist die Verbindung zum KOMMA wahrscheinlich sogar noch gewachsen. Benni, mittlerweile nach Stuttgart gezogen, packt ehrenamtlich mit an und ist mit dem Betreiber befreundet.


Wütend, freibrechend, von den 80ern geprägter Post-Punk: so lässt sich Karies Sound am besten beschreiben. Aber warum besingt noch eine junge deutsche Band, mit maßgeschneiderten Texten den Ausgang aus der Adoleszenz und den Eintritt in ein viel zu träges und selbstgefälliges Leben? Und warum verzehrt sich die deutsche Musiklandschaft zur Zeit nach genau dieser Art von Musik? So ganz genau kann uns das auch niemand aus der Band erklären.
2012 fand Benni Zugang zu New-Wave Bands wie Abwärts und Fehlfarben. Nicht nur klang die Musik für ihn aufregend, frisch und passend, es wurde auch klar, dass es Leute in der Umgebung gab, die in die selbe Richtung strebten.
Die schon angesprochene Stuttgarter Szene und speziell die Post-Punk-Szene war nie so dominant, als dass man sich hätte "uniformieren können". Stattdessen inspiriere man sich immer wieder gegenseitig und jeder sucht sich seine eigene Richtung.


2013 erschien dann endlich das erste Tape von Karies. Fun ist ein Stahlbad wird an einem Abend aufgenommen. An den Reglern steht Max Rieger, Gitarrist von die Nerven. 7 Songs, Drang nach vorne und ein hochgreifendes Zitat aus der Didaktik Dialektik der Aufklärung als Tapename.
Im Laufe des nächsten Jahres reifen die Tracks auf den Konzerten wie ein guter Wein und im Oktober diesen Jahres erschien das nicht minder zitatlastig betitelte Debütalbum Seid umschlungen Millionen.
"Ich hatte ein Buch gelesen, in dem es um das Jahr der Brüdelichkeit ging [...] die Forderung nach Solidarität und Verbrüderung klingt heutzutage lächerlich und pathetisch" sagt Sänger/Bassist Max Nosek.
Auch das Cover hat starken Bezug zum Inhalt des Albums. Jans Elternhaus als Symbol für Tristesse und schwäbische Kleinbürgerlichkeit.
Das Album klingt erwartungsgemäß sehr viel gereifter als das Demotape, mit mehr Tiefgang, einer klareren Struktur und einem Druck, der sich in die Magengegend eingräbt. Die Weiterentwicklung wird auch klar, wenn man einen Blick auf die Titelliste wirft. Nur zwei Songs von Fun ist ein Stahlbad, Misere und Wahrheit träumt nicht schafften es auf die Platte.
"Misere hat eine neue Richtung eingeschlagen. Als wir anfingen hatten wir noch ein Casio Keyboard dabei und man wusste noch nicht wo es hingehen sollte [...] Es waren auch die bis dato gereiftesten Songs". Mit den Aufnahmen auf Seid umschlungen Millionen haben sie nun endlich die von der Band gewünschte Form erreicht.

Montag, 6. Oktober 2014

Es lebe Warschau - Im Interview mit Anthony Chorale

Es ist Donnerstag Mittag und die Temperaturen künden die letzten Ausläufer des Hamburger Spätsommers an. Auf der Bühne spielt Olivier Heim in Begleitung von Małgorzata Penkalla unter dem Künstlernamen Anthony Chorale eines der ersten Konzerte am zweiten Tag des diesjährigen Reeperbahn Festivals. Der von Keyboard und Drum Machine unterstütze Dream-Folk scheint einfach an einem solchen Tag existieren zu müssen und so träumt jeder vor oder auf der Bühne seinen eigenen Reeperbahn-Festival-Traum.

 


Das Konzert ist inzwischen über zwei Wochen her und berichtet wurde darüber an dieser Stelle auch schon. Allerdings soll es hier auch nicht um den Auftritt gehen, sondern um das Gespräch, dass ich im Anschluss mit den beiden geführt habe.

Angefangen hatte alles mit Tres.b. Olivier spielte schon damals Gitarre, doch im Gegensatz zu Anthony Chorale war Tres.b als Bandprojekt ausgelegt. Die in Dänemark gegründete Gruppe konnte in den 2010ern einige Erfolge verbuchen und als sich Olivier dazu entschloss sein Soloprojekt in Angriff zu nehmen geschah dies nicht aus Mangel an Anerkennung. Er musste sich einfach weiter entwickeln. 
Doch nicht nur bei der Wahl der musikalischen Partner ist Heim auf Veränderung bedacht. Auch was den Ort angeht, an dem die Musik entsteht, ist Veränderung und der Drang nach vorne immer eine treibende Kraft. Inzwischen lebt der gebürtige Amerikaner mit Holländischen Wurzeln seit vier Jahren in Warschau. Damit gehört er, wie er selbst sagt, zu einer der ersten Wellen von ausländischen Musikern, die sich in die polnische Musikszene mischen.
Schnell wird klar, dass Warschau für ihn zwar abermals nur ein Wegpunkt auf seiner Reise ist, aber ihn die Stadt begeistert und inspiriert. 

„Die Leute stellen sich Polen und Warschau ganz anders vor und sind überrascht von dem was sie finden“

So ging es auch ihm als er das erste Mal in die Stadt kam. Heim fand eine offene und gastfreundliche Musikszene und den Raum für Idee, der ihm gefehlt hatte.
Im Vergleich zu Berlin oder Amsterdam, so sagt er, wird Warschau noch immer von internationalen Leuten entdeckt und bleibt damit stetig in Bewegung. Ein anderer Aspekt ist, dass die Musikwelt noch nicht komplett überrannt ist uns somit für die einzelnen Bands „mehr Zeit bleibt“. Das bedeutet für Olivier, dass sich auch für Bands, die mit ihrer Musik unkonventionelle Wege gehen, noch Aufmerksamkeit vorhanden ist. Wieder ist für ihn das Vorwärtsstreben von größter Wichtigkeit. Bloß nicht zu lange an einem gedanklichen Ort verweilen und sich stattdessen lieber ständig aufs Neue fordern.  Das merkt man auch ab den Singles aus dem kommenden Album, dass im November in Polen erscheint. Deutlich elektronischer klingt beispielsweise der Song Ocean im Vergleich zu den Liedern auf Ambitions oft he Son.  Nach einem Album und einer EP mit hauptsächlich akustischen Instrumenten wurde es für Heim langweilig und so entschied er sich für den Einsatz von elektrische Instrumenten und bastelt inzwischen für das Minimal-Set Up mit Małgorzata sogar Beats am Drum Computer.
Für ihn sei es wichtig, dass die Alben nie all zu gleich klingen und er Stück für Stück lernt was er von der Musik möchte.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Über Politik, das Übel & Gefährlich und den Stadtpark - Interview mit Lüam von Findus

Letztes Wochenende fand im Nauwieser Viertel Saarbrückens das Nauwieser Fest statt. Ein Straßenfest mit Fressbuden, Ständen von Geschäften aus dem Viertel und ab und zu durchdringenden Charme des linken Hintergrunds. Abendes spielten auf den zahlreichen Bühnen verschiedenste Bands, unter anderem auch die Nordlichter von Findus. Ich habe mich vor dem Konzert mit Sänger Lüam auf ein Getränk in einem Waschsalon getroffen und mit ihm ein wenig über Festivals, Politik in der Musik und Hamburg geschnackt.




WYL: Ihr spielt dieses Jahr eure Festival Tour, welches Festival war
bisher euer Highlight, Hurricane oder doch lieber eines der kleinen
Festivals?

Lüam: Es war beides recht unterschiedlich. Hurricane war schon echt
cool, weil es auch einfach ein nettes Festival ist und für die Künstler 
echt angenehm. Was auch richtig gut war, war das SL-Rocks in Schleswig. 
Ein ganz kleines Festival, das schon im Mai stattfindet. Das war total super, 
das war sehr persönlich gemacht.

WYL: Und welche Festivals und Locations fehlen euch noch auf eurer Liste?

Lüam: (puhh) Ganz konkrete Ziele haben wir da nicht. Ich find’ der
Stadtpark in Hamburg wäre so ein Ziel, aber das hat noch Zeit. Ich
finde wir sind noch nicht die Band die unbedingt im Stadtpark spielen
muss. Aber in ein paar Jahren, das wär schon was. 
Und dann gibt’s natürlich noch Sachen, wie zum Beispiel das Roskilde 
Festival oder Wuhlheide in Berlin. Das sind Sachen die wir ganz schön 
und beeindruckend finden... vielleicht spielt man da mal, vielleicht nicht. 
Aber cool wär’s auf jeden Fall.




WYL: Das Nauwieser Viertel ist ja doch recht stark politisch beeinflusst, 
wie wichtig ist für euch Politik in der Musik?

Lüam: Man lebt ja in einer Gemeinschaft und einem Kontext der sehr
stark von Politik geprägt ist, oder auch bestimmt wird durch Politik
und allein dadurch ist schon jeder Mensch ein Stück weit politisch,
muss es irgendwie sein. Ich glaube politisches Bewusstsein ist das
Einzige, was da erst mal noch fehlt. Im Grunde genommen ist ja jeder
Mensch, der in einer Gesellschaft lebt wie wir, schon politisch durch
sein Handeln. Wo kauf' ich ein, was ess' ich, das ist ja schon Politik
ob man will oder nicht und ich finde es schwierig daher als einzelner
Mensch zu sagen "ich bin unpolitisch", weil das halt gar nicht geht.
Das politische Bewusstsein wiederum zu schulen und sich damit konkret
auseinander zu setzen, glaube ich, ist anstrengend und das verstehe
ich auch, wenn da nicht jeder Bock drauf hat. Dazu gehören Fragen wie,
"was bedeuten bestimmte Entscheidungen für mich und wie kann ich 
mich da auch einmischen".
Ich beschäftige mich viel mit Politik, mal mehr und mal weniger
praktisch, und auch wenn sich Sachen in der Stadt dann ändern oder
veranlasst werden, das lässt mich dann halt auch nicht los und
spiegelt sich dann auch in den Texten wieder. Allerdings finde ich,
dass wir keine politische Band sind und dass das auch nicht das Ziel
sein sollte. Politik ist klar und sollte selbstverständlich sein und
eine Band ist in erster Linie eine Kunst- und Kulturform. Ich hab also
erst mal die Aufgabe gute Musik und gute Kunst zu machen. Mal
beschäftigen einen die persönlichen Empfindungen und mal mehr die
Politik. Es gibt schon viele politische Bands und auch viele gute,
aber in erster Linie solltest du als Mensch politisch sein und dich
dafür nicht hinter so einem Kultur- oder  Kunstding verstecken.

WYL: Welche Locations würdest du für einen geilen Abend in 
Hamburg empfehlen?

Lüam:  Empfehlungen finde ich eigentlich immer schwierig. Im Endeffekt
sollte ja jeder selber wissen worauf er Bock hat. Wenn du mich jetzt
konkret fragst "Ich hab Bock auf gute Burritos, wo muss ich da hin?",
dann sag ich ihm Jim Burrito’s. 
Nett ist auch sich im Sommer im Sternschanzen-Park die Fußballspiele 
anzugucken und ein Bier trinken.
Was Clubs angeht würde ich wohl das Übel & Gefährlich empfehlen. Ich
find es einfach geil, dass die ganz unterschiedliche Sachen machen,
aber immer mit einem gewissen Anspruch an die Veranstaltung an sich.
An sich hasse ich Bunker, aber ich finde sie machen es gut indem sie
die Veranstaltungen liebevoll gestalten und das merkt man dann ja auch.
Ansonsten ist der Pudel als Ort noch sehr spannend. Schon einfach weil
es am Hafen ist. Es wird da zwar auch viel Hamburg-Klischee bedient,
aber diese Mischung aus Dreck und Anspruch finde ich ganz angenehm.
Ich mach es mir jetzt einfach mal leicht und würde noch das Molotow
empfehlen, weil es einfach als Laden echt nett ist. Ah ne, Hafenklang.
Der muss auch noch auf die Liste.




Im Anschluss an das Interview spielten Findus ein  wirklich gelungenes Konzert auf der Hauptbühne. Wer die Jungs auch mal live sehen würde kann das zum Beispiel am 10.10. im Knust in Hamburg.