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Dienstag, 11. November 2014

Buttering Trio - Jam

Es ist Samstag Nachmittag und der letzte Tag des Reeperbahn Festivals. Auf einer der künstlerisch angehauchten Metallbänke vor dem Onyx Hotel sitzen die drei von Buttering Trio umringt von ihren Instrumenten. Wir werden mit einem freundlichen Lächeln und einem Stück getrockneten Ingwer begrüßt.
Während wir Zeuge einer Show werden, die für einen Auftritt in einer Hotellobby ungewöhnlich viel tanzbare Energie versprüht, wird uns klar, dass wir wahrscheinlich ordentlich was Verpasst haben, als wir es nicht zum Auftritt am Vorabend geschafft haben. Die Songs der Show entstammen der 2014 in Deutschland erschienenen Platte Toast des Trios.


Obwohl in Tel Aviv aufgewachsen, fand die Band in der aktuellen Form in Berlin zusammen und verbrachte dort so manche schlaflose  Nacht im Proberaum. Das sei auch wichtig, sagt die Band. Ideen finden sie durchs drauf los spielen, Probieren und Jammen. Hierbei sei es erstmal egal ob alleine oder im Team. Beides gibt den Multi-Band-Musikern Inspiration auf ein ganz eigene Art. Die Musikszene in Tel Aviv ist klein und so spielen alle drei neben dem Buttering Trio noch in anderen Bands und haben ihre jeweiligen Soloprojekte. Echte Vollblutmusiker eben. Und genau daher hat die Gruppe solch einen kontinuierlichen Drang nach vorne, der sich aktuell in ihr neustes Album Jam entlädt, das hierzulande am Freitag über das Label Raw Tapes erscheint.


Während der Experimentalismus auf dem Debüt noch an jeder Ecke, in jeder Note spürbar war und sich das Werk somit selbst etwas in einen Randbereich der Hörerschaft gedrängt hat, scheint es den Talenten aus Tel Aviv dieses Mal gelungen zu sein, eine Mischung zu finden, die sich auch abseits der etwas skurielen Nische des ersten Albums etablieren kann. Stringent und entspannten, mit hörbar viel Liebe zum Detail gebastelten Trip-Hop- Beats folgend, hangeln sich auch dieses Mal Klänge aus der Heimat des Trios zwischen westlich geprägte Drumpatterns entlang. Unüberhörbar bleiben jedoch und zum Glück, die Einflüsse des Nu-Jazz und des instrumentalen Hip-Hops. Neben den sanft einsetzenden Saxofonläufen gewinnen die Sonsgs nicht nur durch den träumerischen Gesang von Karen Dun, sondern vor Allem durch die vielschichtigen Synthesizerstrukturen, die auf Jam deutlicher ins Gewicht fallen, als noch auf Toast.
Das Album wirkt als Gesamtkonzept schlüssig und hinterlässt einen mit dem Gefühl aus einem unwirklichen Traum zu erwachen.

Die drei Vollzeitkreativen haben verraten, dass schon an neuen Klangkreationen gearbeitet wird, damit die Medienmaschinerie bloß nicht ins stocken gerät. Ab Freitag könnt ihr aber erst einmal mit Jam vorlieb nehmen und auf den nächsten Brotaufstrich warten.

Montag, 6. Oktober 2014

Es lebe Warschau - Im Interview mit Anthony Chorale

Es ist Donnerstag Mittag und die Temperaturen künden die letzten Ausläufer des Hamburger Spätsommers an. Auf der Bühne spielt Olivier Heim in Begleitung von Małgorzata Penkalla unter dem Künstlernamen Anthony Chorale eines der ersten Konzerte am zweiten Tag des diesjährigen Reeperbahn Festivals. Der von Keyboard und Drum Machine unterstütze Dream-Folk scheint einfach an einem solchen Tag existieren zu müssen und so träumt jeder vor oder auf der Bühne seinen eigenen Reeperbahn-Festival-Traum.

 


Das Konzert ist inzwischen über zwei Wochen her und berichtet wurde darüber an dieser Stelle auch schon. Allerdings soll es hier auch nicht um den Auftritt gehen, sondern um das Gespräch, dass ich im Anschluss mit den beiden geführt habe.

Angefangen hatte alles mit Tres.b. Olivier spielte schon damals Gitarre, doch im Gegensatz zu Anthony Chorale war Tres.b als Bandprojekt ausgelegt. Die in Dänemark gegründete Gruppe konnte in den 2010ern einige Erfolge verbuchen und als sich Olivier dazu entschloss sein Soloprojekt in Angriff zu nehmen geschah dies nicht aus Mangel an Anerkennung. Er musste sich einfach weiter entwickeln. 
Doch nicht nur bei der Wahl der musikalischen Partner ist Heim auf Veränderung bedacht. Auch was den Ort angeht, an dem die Musik entsteht, ist Veränderung und der Drang nach vorne immer eine treibende Kraft. Inzwischen lebt der gebürtige Amerikaner mit Holländischen Wurzeln seit vier Jahren in Warschau. Damit gehört er, wie er selbst sagt, zu einer der ersten Wellen von ausländischen Musikern, die sich in die polnische Musikszene mischen.
Schnell wird klar, dass Warschau für ihn zwar abermals nur ein Wegpunkt auf seiner Reise ist, aber ihn die Stadt begeistert und inspiriert. 

„Die Leute stellen sich Polen und Warschau ganz anders vor und sind überrascht von dem was sie finden“

So ging es auch ihm als er das erste Mal in die Stadt kam. Heim fand eine offene und gastfreundliche Musikszene und den Raum für Idee, der ihm gefehlt hatte.
Im Vergleich zu Berlin oder Amsterdam, so sagt er, wird Warschau noch immer von internationalen Leuten entdeckt und bleibt damit stetig in Bewegung. Ein anderer Aspekt ist, dass die Musikwelt noch nicht komplett überrannt ist uns somit für die einzelnen Bands „mehr Zeit bleibt“. Das bedeutet für Olivier, dass sich auch für Bands, die mit ihrer Musik unkonventionelle Wege gehen, noch Aufmerksamkeit vorhanden ist. Wieder ist für ihn das Vorwärtsstreben von größter Wichtigkeit. Bloß nicht zu lange an einem gedanklichen Ort verweilen und sich stattdessen lieber ständig aufs Neue fordern.  Das merkt man auch ab den Singles aus dem kommenden Album, dass im November in Polen erscheint. Deutlich elektronischer klingt beispielsweise der Song Ocean im Vergleich zu den Liedern auf Ambitions oft he Son.  Nach einem Album und einer EP mit hauptsächlich akustischen Instrumenten wurde es für Heim langweilig und so entschied er sich für den Einsatz von elektrische Instrumenten und bastelt inzwischen für das Minimal-Set Up mit Małgorzata sogar Beats am Drum Computer.
Für ihn sei es wichtig, dass die Alben nie all zu gleich klingen und er Stück für Stück lernt was er von der Musik möchte.

Montag, 29. September 2014

Das war das Reeperbahn Festival DAY 4


Samstag Nacht vor Woche ist das Reeperbahn Festival 2014 zu Ende gegangen. Die anfängliche Skepsis wurde nicht bestätigt und ich muss sagen, dass die Planer des Festivals über die Jahre viel gelernt haben und einen guten Job machen. Bevor ich das Festival jetzt aber bis zum nächsten Jahr abhake, folgt der letzte Teil meines kurzen Festivalberichts.

So richtig viel Programm war für uns tatsächlich am Samstag gar nicht mehr drin. Die letzten drei Tage forderten ihren Tribut und so fiel die Wahl des ersten Acts auf den frühabendlichen Auftritt von Buttering Trio in der Vorhalle des Onyx Hotels. Das Dreiergespann, das sich hinter diesem Namen verbirgt kommt aus Tel Aviv, hat sich aber in Berlin zusammen gefunden. Das hört man ihrer Musik auch an. Elektronische Beats, unterstützt durch Hebräischen Gesang und beinahe schon arabische Instrumentalisierung. Belohnt wird diese Mischung mit, für eine Hotellobby sehr tosenden Applaus. 


Nach einem Gespräch mit dem Buttering Trio und einem Bier auf der Hand geht es weiter in den Kaiserkeller um festzustellen, dass Dark Horses eine Art von Rock machen, die einfach nicht unsers ist. Leider verpassen wir aus eigener Blödheit Kadavar. Als Trostpflaster müssen die schwedischen Truckfighters herhalten. Drang nach vorne hat die Musik auf der Bühne auf jeden Fall, doch was auf Platte noch nach verhältnismäßig differenzierbaren Riffs im Dschungel aus Stoner- und Hardrock klingt, verwäscht Live zu einem Klangteppich. Ist auch ganz cool, aber viele Songs klingen ähnlich und die Details gehen verloren. Auffällig und typisch für die Truckfighters gibt sich auch dieses Mal wieder der Gitarrist mit dem irren Blick.


Ein Abstecher noch zu Kid Simius, wieder gut, aber bei dem gibt es im Vergleich zu Mittwoch recht wenig neues zu erzählen, und dann noch ein letztes Bier im Molotow. Ein würdiges Ende für vier tolle Tage.

Freitag, 26. September 2014

Das war das Reeperbahn Festival DAY 3



Der Freitag steht für uns im Zeichen von Interviews und Isländischen Bands. Mittags stehen noch die langsam zur Gewohnheit werdenden Warm-Up Konzerte in der Spielbude auf dem Programm, doch sowohl Berndsen als auch Samaris zeigen sich später von ihrer noch besseren Seite auf großen Bühnen. 
Richtig los geht es am frühen Abend mit Berndsen, der Isländischen 80er-Synthie Band. Typisch nordisch begrüßt der rothaarig bärtige Sänger, nach dem die Band benannt ist das Publikum und die Zeitreise geht los. Diese Musik klingt nicht wie 80er Dance-Pop, sie ist es. Gespielt wird ausschließlich auf Instrumenten, die damals auf dem Markt waren und das hört man. Der Sänger hat übrigens die Vorliebe in das Publikum zu springen und die Leute mit in die Show einzubeziehen.

Pflichttermin auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival war auf jeden Fall die junge Band aus Wien mit dem wunderbaren Namen Bilderbuch. Auf die Tücken des Festivals vorbereitet waren wir deutlich vor Beginn des Konzerts am Grünspan, doch wie sich rausstellte konnten wir unser Bier sogar noch entspannt austrinken bevor es nach vorne ging. Dass man hier dem aktuellen Hype der deutschsprachigen Musikszene gegenüber steht, merkt man schon an der Masse von Fotografen im Bühnengraben. Die Performance und der Sound zeigt allerdings genauso, dass dieser Hype durchaus gerechtfertigt ist. Starker Einstieg mit Feinste Seide und eine Gestik, die nicht wenige an Falco erinnert.

Von den lautstark hervorgebrachten Pop-Hymnen geht es für 5 Minuten weiter ins Moondoo nur um festzustellen, dass die Türsteher keinen guten Job machen und es leider komplett überfüllt ist. The Acid fliegt kurzfristig aus unserem Programm, so ein Gedränge macht keinen Spaß.
Stattdessen geht es in die Prinzenbar zu Samaris. Wer noch nie von diesem Trio gehört hat, dem sei verziehen. Uns ging es bis vor zwei Wochen noch genauso. Samaris tragen isländische Gedichte aus dem 19. Jahrhundert vor. Begleitet wird das von einer Klarinette und Techno-Beats. Und ja, es ist genauso abgefahren wie es sich anhört. Innerhalb kürzester Zeit war das gesamte Publikum in Trance und bewegte sich rhythmisch zu den Beats von Samaris.  Achso, so ganz weit von The Acid sind die drei dann doch nicht entfernt, immerhin traten sie als Vorband auf der England Tour von The Acid auf.

Nach diesen sphärisch verträumten Klängen waren wir für eine kurze Unterbrechung ganz dankbar um wieder in unserer Welt anzukommen. Nach ein paar Bier hatte uns die Prinzenbar dann aber auch schon wieder in Besitz genommen. Das Set-Up hatte gewechselt und verantwortlich für den Ausklang dieses gelungenen dritten Tages waren die Jungs von Roosevelt und Coma, die in Kollaboration ein sehr gelungenes Electronica-Techno Set an die Menge brachten. Das Set erinnerte über Passagen stark an das Boiler Room Set von Roosevelt, aber das kann ja auch ordentlich was. Laune gemacht hat es alle Mal und gegen kurz nach 4 konnte mit gutem Gefühl der Heimweg angetreten werden.

Mittwoch, 24. September 2014

Das war das Reeperbahn Festival DAY 2


Donnerstag startet mit strahlend blauen Himmel, Sonnenschein und einem vollem Line-Up. Halbwegs ausgeschlafen geht es also am frühen Nachmittag wieder Richtung Spielbuden Platz und direkt zum ersten Konzert.

Eine bessere Wahl für den ersten Act des Tages ist angesichts der mir entgegen schallenden, träumerisch mit Echo hinterlegten, Gitarrenklänge wohl kaum vorstellbar. Auf der Bühne steht Olivier Heim mit seinem Soloproject Anthony Chorale. Begleitet wird er auf dem Keyboard und dem Drumcomputer. Die Fläche vor der Bühne ist noch verhältnismäßig  leer,  doch allen, die sich zur frühen Stunde zum Festival gewagt haben, ist die Entspannung angesichts des Sounds von Anthony Chorale anzusehen. Der letzte Song der kurzen Warm-Up Show geht vorbei und noch immer etwas verträumt verlasse ich die Spielbude. 


Nach einem Kaffee, einem ziemlich leckerem Eis und einem Gespräch mit Olivier Heim über sein ständiges Umziehen, sein aktuelles Projekt und Warschau, geht es zum nächsten Konzert. Boreal Sons geben sich im Rahmen des Canadian Blast Showcase im Neidklub die Ehre. Der Sound von Boreal Sons ist zum Glück nicht ganz einfach zu beschreiben. Es ist eine Mischung aus Folk und der Komplexität von modernem Jazz-Pop am Keyboard. Ihre Strukturen wirken häufig chaotisch, doch immer scheint doch ein Plan dahinter zu stecken, der zu einer Auflösung führt. 


Eigentlich wäre im Anschluss an die 4 Jungs aus Canada ein kurzer Auftritt von Die Nerven auf der Astra Bühne geplant gewesen. Später wird klar, auf der Bühne macht die Anlage nur 80dB und das ist natürlich viel zu wenig.  
Trotz dieses Ausfalls bleiben wir bei den hiesigen Bands. Coma spielen in der Prinzenbar. Eine geniale Mischung aus elektronischen Klang- und Tanzwelten und dem noch analog und live eingespieltem Schlagzeug. Technobeats handgemacht, hört man nicht alle Tage, steht den elektronischen Beats in nichts nach und die Präzision des Drummers ist einfach schön mitanzuhören. Doch auch das Gesamtpaket ist stimmig, die Lieder bauen sich stetig auf und verleiten zum frühabendlichen Rave.


Zum Glück war die Astra Bühne nur als Aufwärmübung für Die Nerven gedacht, die eigentliche Show findet erst später im Molotow statt. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken haben wir uns noch Malky beim N-Joy Bus gegeben. Malky kommen aus Deutschland und sind in dem was sie machen auf keinen Fall untalentiert. Den Soul-Pop bringen sie gut rüber und auch die etwas gönnerhafte, Schwiegermutters-Liebling-Attitüde wirkt gekonnt. Für mich aber einfach doch zu glatt und zu viel Micheal Buble. 


Da trifft es sich ganz gut, dass noch ein kurzer Besuch bei Taymir ansteht. Schöner Rock kann einfach immer noch überzeugen. Ein wenig wie eine Schülerband wirken Taymir anfangs schon, doch die Bühnenshow beweist, dass sie diesem Image längst entwachsen sind. Überzeugende Soli werden an der Gitarre mit einer Lässigkeit vorgetragen, dass man sich im Anschluss an das Konzert wünscht, man hätte doch auch ganz gerne eine Band und wäre nur ein bisschen mehr Rockstar. 


Das Warten hat endlich ein Ende und das Molotow einen würdigen Spielpartner gefunden. Schon mit dem ersten Ton aus den Verstärkern von Die Nerven wird klar, warum der frühabendliche Auftritt abgesagt werden musste. Diese Musik gehört laut. Noch viel deutlicher als auf Platte kommt der Hang zum Post-Rock zum Vorschein. Die Stimmen von Bassist und Gitarrist stehen im Hintergrund während die Show eindeutig der Verzerrung und der Lautstärke gehört. Die Botschaft der Songs bleibt auch so verständlich und wirkt insgesamt noch viel gewaltiger, als es mir je vorgekommen ist wenn ich die Lieder zu Hause aufgedreht habe. Die Nerven gehören nicht nur zu dem besten was sich in der Deutschen Musiklandschaft aktuell so tummelt, sondern auch zu einer der besten Live Bands, die ich in den letzten Jahren sehen konnte.
So wird man mit tauben Ohren in die Nacht entlassen und ein fantastischer Donnerstag geht vorbei.



Donnerstag, 18. September 2014

Das war das Reeperbahnfestival DAY 1

Wieviel besser kann das berühmt berüchtigte Clubfestival mitten in Hamburg eigentlich besser beginnen. Super Acts für einen Mittwoch, überall noch so gerade eben rein gerutsch und dann auch noch schönstes Wetter für die Wege zwischen den Clubs. Jetzt also der erste Tagesbericht vom diesjährigen Reeperbahn Festival.

Nach gefühlten zwei Tagen des Line-Up Durchwühlens steht nun endlich der Plan. Natürlich stehen mal wieder viel zu viele Bands gleichzeitig auf dem Timetable, aber das kennt man ja. Nach einem kurzen Spaziergang über die Flatstock (Postermesse), die im übrigen auch sehr empfehlenswert ist, gehts ab zum ersten Act. Die beiden Grundsympathen Florian und Claudia, den meisten besser als Talking to Turtles bekannt, sind schon zum dritten Mal auf dem Festival und strahlen noch immer wie beim ersten Mal. Es ist eine Warm-up Show aus dem N-Joy Bus heraus und leider leidet der Sound auch etwas unter dieser Tatsache. Sobald die beiden aber wieder anfangen zu grinsen, fällt es schwer ihnen überhaupt irgendwas übel zu nehmen.


Weiter gehts nach kurzer Verschnaufpause und einem lauwarmen Bier auf die Hand zu Exclusive. Das letzte Album der Jungs aus München liegt zwei Jahre zurück und live hatte ich sie auch noch nicht gesehen. Ein paar neue Songs gab es dann tatsächlich auf die Ohren, aber das generelle Fazit nach dem Konzert lautet, Musik super, aber die Live Show war nur peinlich. Rockstar Gehabe und leere Posen ohne Ende. Fast schon wie eine Parodie wirkt nicht nur der DJ der Band, der mit Avicii-Like Betonung an den Reglern reißt und den Drop einläutet. Traurig aber wahr, die muss man sich nicht geben.


Glücklicherweise werde ich noch vor dem letzten Lied aus dem Club weiter gezogen. Die Reise führt ins überfüllte Jazz Cafe. Also eigentlich führt sie erstmal noch nicht rein. Einlassstop. Doch zum Glück haben nach wenigen Minuten einige der Besucher keine Lust mehr auf Kuscheln auf engstem Raum und so rücken wir nach. Auf der Bühne steht der französische Producer Guts inklusive Live Band. Man merkt es sofort, das ist authentisch, hier ist nichts gespielt. Die vom Jazz und Soul beeinflussten Beatstrukturen und immer wieder eingespielten Samples ordnen sich vor den Augen und Ohren der Zuhörer zu einem dichten Instrumental Hip-Hop Gewebe, das zum kollektiven Tanzen einlädt. Als die Show nach fast einer Stunde vorbei ist und das Publikum, gerade aus der Ekstase erwacht, nach mehr ruft, entschuldigt sich Guts nur verlegen und sagt das sie nicht mehr spielen dürfen. Es tut ihm sichtlich leid.


Für den letzte Stop an diesem ersten Abend habe ich mich für die Prinzenbar entschieden. Hinter dem Pult steht Kid Simius und davor drängt sich das schwitzende Publikum verbunden durch die wunderbar wummernden Bässe, die Kid Simius seinen Instrumenten entlockt. Progressiv und wunderbar noisy tropft der Sound aus den Boxen und auf allen Etagen wird ausgeflippt. Die Shows von Kid Simius sind schwer zu beschreiben, aber eigentlich ist es eine riesige Party mit einem super Showmaster. Wer es noch nicht gesehen hat, dem fehlt auf jedem Fall noch ein Schlüsselerlebnis im Leben. Zum großen Finale wird dann auch noch die Gitarre ausgepackt und mit den Zähnen gespielt. Das ist Rock'n'Roll und ein perfekter Abschluss für den ersten Tag.