Dienstag, 4. November 2014

Ancient Mith im Molotow


Vor zwei Wochen haben wir euch schon einmal vom Denver Rapper Ancient Mith berichtet. Wir waren bei seinem Konzert  im Molotow dabei und hatten sogar die Möglichkeit ein, zwei Worte mit dem talentierten Musiker zu wechseln. Hier kommt unsere Retroperspektive zu einem Abend, der ausnahmsweise mal ganz im Zeichen des Rapps stand.



Ancient Mith ist ein Musiker, den man wirklich als Solo-Künstler bezeichnen kann, denn als der bärtige Mann auf die Bühne kam, war er allein! Und damit meine ich, ganz allein! Weder ein DJ, noch eine Begleitband, stand mit ihm auf der Bühne. Nur ein kleiner leuchtender Apfel hat ihm auf der Bühne Gesellschaft geleistet.

Doch diese Lebensenergie, die dem Künstler anhand von Kumpanen auf der Bühne fehlt, macht er mit seiner eigenen Performance wett. Schon nach einigen Minuten, war dem Rapper die Bühne nicht mehr genug und er machte sich mit einer zirkusreifen Klettereinlage auf den Weg zum DJ-Pult. 


Später erklärt der mit echtem Namen Braden Smith heißende, dass er mit seiner agilen Performance die Oberhand über das Konzert behalten will. Der Zuschauer soll nicht denken, dass er das Konzert vorausahnen könnte. Außerdem muss man einen Weg finden, seinen Gig immer noch interessant zu gestalten und da muss man sich schon einiges ausdenken, wenn man schon über 10 Jahre im Geschäft ist. Da kommt es auch schon mal vor, dass sich Ancient Mith auf einen Hocker stellt und mit diesem durch das Publikum läuft.
Neben der dynamischen Klettereinlage gab Braden natürlich auch seine Rap-Künste zum Besten und versorgte das Publikum mit den Songs aus seinem aktuellen Album And the dead shall lie there. Da Ancient Mith aber auf jedwede Art von Effekten verzichtete, unterschieden sich die Songs vom Sound doch um einiges von ihren im Studio aufgenommenen Zwillingen. Das führt zwar dazu, dass die Songs ein wenig von ihrem post-punkigen Charakter verlieren, erhalten aber dadurch mehr (wie der Hip-Hopper wahrscheinlich nie sagen würde) „realness“. Doch auch Ancient Mith ist kein Rapper der alten Schule mehr. Düster, elektronisch kommen die Beats daher, die Ancient Miths Musik die besondere Würze verleihen.  Produziert wurde das ganze vom Schweizer Produzenten Mattr. Wobei das nur die halbe Wahrheit ist. Mattr. produzierte zwar das musikalische Gerüst aus Bass und Melodie, allerdings hatte er keinen Einfluss darauf, wie Braden seine Texte darauf anpasste, er hat lediglich den Anstoß für sein Album in Form einiger Beats gegeben:

„I know Mattr. for 10 years now and we do music together for some years now. And one day he just sends me 60 Beats in a .Zip file. And then I just started making songs here and there and then I recognized I already finished the album. I just needed two more songs and the album that I had in my head was there. I had a focused vision on this album. It’s really a packaged idea”


Ancient Mith selber lässt sich auch kaum noch von anderen Rappern beeinflussen und hört kaum noch Hip-Hop. Diese wunderschöne Mischung macht Ancient Miths Album And the dead shall lie there zu einem wirklich einzigartigen musikalischen Erlebnis. Wenn euch die Musik nach meiner kleinen Vorstellung trotzdem noch nicht so zusagt, solltet ihr dennoch nicht davor zurückschrecken Ancient Mith auf einem seiner Konzerte zu besuchen. Denn so sympathisch und extravagant bringen wirklich nur wenige Rapper ihre Musik rüber.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen